Geschichten, Gedichte und Songtexte - der Poeten-Treff

Der Bekehrer

Datum: Montag, 28. Mai 2007
Thema: Glaube

Der Bekehrer (von BitStreamer) Nachts geh ich durch die Stadt so gern, da treff ich einen alten Herrn, der will von Christus mir erzählen, will mich mit seinem Gott vermählen. Er spricht zu mir, komm, sei nicht dumm, noch bist Du stark, noch bist Du jung, noch kannst ' des Heilands Wort verkünden - Er sagt nichts von den Kirchenpfründen? Er spricht zu mir, ich sei so reich, mein Leben sei fast engelsgleich, wenn ich ganz brav und so wohl fort, wenn ich verkünde "Gottes Wort". Ich mein', was Du mir anvertraust, ist wie der wilde Sturm gebraust. Man hat gemordet allerorten, wohl auf den Lippen "Gottes Worte". Nun kommt's zurück - und wilder Geifer tropft von den Lippen and'rer Eif'rer: Wir stehen vor dem Glaubenskrieg, fundamental wohl sei der Sieg. Das, was Du mit träumend' Blick mir impfen willst als Lebensglück, kann ich Dir so nicht wirklich glauben - Du willst mir meine Seele rauben. Du willst, daß ich die Knie biege vor glatt zweitausend Jahren Lüge - hätt'st auf die Gebote Du gebaut, hätt' ich Dir vertraut. Die 10 Gebote - schau verkleistert! - sind alles, was mich je begeistert', an Eurer schönen Theorie von des Volks Anästhesie! Ich mag die alten Götter gern, die menschlich fast, nicht himmelsfern, mit Herz und Hirn mein Leben teilen und nicht im Himmel nur verweilen. Mein Blut sei Thyr, mein Schwert für Thor! Nun komm Dir nicht so wichtig vor! Mein Leben für Odin - und nach dem Tod teil' mit ihnen ich mein Brot. Ich werd' den Alten wiedertreffen, meine Onkels, ihre Neffen und man wird mich dafür lieben, daß ich im Leben ich geblieben. Daß ich gelebt hab nach den alten Lehren derer, die erkalten, die viermal wohl in Rom schon standen und nichts Begehrenswertes fanden. Nenn' sie Barbaren, nenn' sie Bauern, sie werden ganz gewiß nicht trauern, wenn jene, die des Ruhmes voll, einzieh'n in Walhall. Du meinst, daß Leben Schicksal ändert, doch das ist lange schon gespendet - die Nornen, die den Faden spannen, sie lächeln hinter Tannen. Nimm mir nicht krumm, daß ich begehre den nächsten kühlen Krug als Fähre. Und treff' ich Heimdall, grüß' ich ihn von Eures Traumes Muhezzin...







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