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xxKochen mit Herz
Geschrieben von Lunulae am Montag, 08. Dezember 2008
 Kurzgeschichten

Bedächtig, rührt Großmutter die Zutaten in ihrem mächtigen Kochtopf. Ich sitze, mit gesenktem Kopf, im letzten Winkel der Eckbank - und ziehe ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Ausgerechnet heute - warum ausgerechnet heute? - muß sich Großtante Irma zu Besuch anmelden?

Die Freude war groß, auch für mich - bis zu dem Moment - als mir klar wurde, dass ich das Date mit meinem Schwarm nicht einhalten könne. Sicherlich - die Tage an denen die Familie an einem Tisch isst sind selten, aber muß es ausgerechnet heute sein? Ich spiele mit dem Gedanken, er könne ein anderes Mädchen bitten, ihn zu begleiten. Mit der Vorstellung er stünde vor einer fremden Haustüre - in der Hand haltend, zwei Eintrittskarten für die Abschlußveranstaltung der Ausstellung Keltischer Artefakte - traten mir erneut die Tränen in das Gesicht.

Mit geduldiger Stimme entreißt meine Großmutter mir einen Seufzer, als sie mich fragt: "Könntest Du mir behilflich sein und mir das Kochsalz aus dem Regal reichen?" Nur widerwillig richte ich mich auf die Beine, greife in das Küchenregal und trete schweigend neben Sie - an den Herd heran.

Der Duft frischen Lauchs, steigt mir verführerisch in die Nase. Ich beuge mich tiefer über den Kochtopf - und eine verdrängte Träne tropft - mitten in das Meer von Gemüse. "Zu viele Köche verderben den Brei." lacht meine Großmutter, nimmt mir das Kochsalz aus der Hand und stellt es zurück ins Regal.

Verwundert schaue ich Sie an, während Sie lächelnd die vergossene Träne unterrührt. Ihre Bewegungen erscheinen mir gleichmäßig und einfühlend, eben als hüte Sie einen geheimnisvollen Schatz - ob Sie meine Frage zu spüren vermag? Großmutters Blick schweift ab - direkt in meine Augen, während Ihr Handgelenk den Rhythmus beibehält.

"Es ist an der Zeit.", unterbricht Sie den Schwall des Schweigens, indessen Großvater Ihrem deutenden Blick folgt, den Speck aus der Räucherkammer zu holen. Seine Pfeife paffend, hebt Er sich aus dem Schaukelstuhl, um sich gemächlich in den Garten zu bewegen. Ich eile zur Terassentüre, um ihm zu öffnen. Mit einem verschmitzten Lächeln und einem Wangenkneifer, bedankt Großvater sich für meine Aufmerksamkeit, schhmunzelnd schaue ich Ihm nach.

Es ist ein herrlicher Sommertag. In den Baumkronen rauscht sanft der Wind, als mein Blick einem fallenden Blatt folgt. Es dreht und windet sich und bleibt im nächsten Augenblick auf der funkelnden Wasseroberfläche des Teiches liegen. Eine Libelle beginnt Ihren Tanz auf den seichten Wellenbewegungen des Gewässers, welches sich im Licht der Sonne - funkelnd wie Tausende von Edelsteinen -, widerspiegelt.

"Mutter ist vom Einkauf zurück." - informiere ich Großmutter, als ich Mama auf dem Fahrrad entdecke. "Fein!" freut sich Großmutter - "uns bleibt noch genug Zeit um es gut zu machen, gut Ding will Weile haben." Mit einem Augenzwinkern begrüßt mich Mutter, um dann den cremigen Rahm kühl zu stellen.

Ich frage mich gerade, wie eine Kartoffelsuppe wohl ohne ihre wichtigste Zutat schmecken könnte, als es - plötzlich - an der Türe schellt. Eine Schrecksekunde lang, schauen wir uns alle fragend an, ahnend dass Großtante Irma bereits vor der Haustüre steht. Meinen Kummer völlig vergessen, eile ich zum Treppenhaus und öffne mit einem Ruck die Türe.

Verblüfft halte ich in dieser Bewegung inne, als ich neben Großtante Irma meinen Schwarm mit einem Korb geernteter Kartoffeln entdecke.

"Ich wollte Dir beim Kochen helfen." - entschuldigt Er sich für seinen unangemeldeten Besuch. Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht steigt und erwidere verlegen: "Das hast Du doch schon."


Kochen mit Herz

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