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xxLa Galette des Rois
Geschrieben von Arion am Donnerstag, 06. November 2008
 Kurzgeschichten
(Es ist in Frankreich Tradition in der Zeit um Heiligdreikönige zusammen mit der Familie einen Kuchen, la Galette des Rois, zu essen, in dem ein kleiner Schatz in Form einer Münze, einer kleinen Figur, etc. versteckt ist. Das jüngste Kind der Familie muss bevor der Kuchen in Stücke geteilt wird unter den Tisch klettern. Nun wird die Galette zerteilt und nacheinander auf jedes Stück gezeigt, wobei die Person unter dem Tisch entscheidet wem welcher Teil gehört. Wer den Schatz findet bekommt eine Krone und wird zum König bzw. zur Königin. Die Krone gibt man darauf an eine andere Person, die man zu seiner Königin bzw. zu seinem König macht.)

Am 6. Januar saß die Familie bei Tisch, groß und klein im Ringelrein, rundherum den Tisch umstellt. Vater und Söhne, Mutter und Töchter gespannt wartend, auf dass sich die Pforte zur Küche hin öffnet. Und siehe da, es geschah, die Tür ging auf, die Magd kam herein, sie trug die Gallete, nicht schöner konnte sie sein. Rund und groß und goldgelb. Und in der anderen Hand hatte sie die Krone, ein Reifen von vergoldetem Papier. Beides stellte sie auf den Tisch und verließ den Raum. Die Mutter überließ nun den Kuchen und des Schicksals Gang ihrem ehrwürdigen Mann. Dieser nahm das Messer, den Kuchen in acht Stücke zu teilen, doch befahl er zu erst dem Sohne, dem kleinsten. Dieser wurde unter den Tisch geschickt, als unparteiischer Richter. Das Teilen begann, erst zwei, dann vier, dann acht Stücke entstanden. Doch just kurz bevor der vierte Schnitt war getan, die Klinge auf halbem Wege stockte. Nur für einen Moment, denn der Vater schnitt fest und das Hindernis war schwach. Einzig allein ein leis kratzendes Geräusch kündete von dem Ereignis, und sobald es erschollen, so verlor es sich auch in der Kinder Geschrei. Nun war diese Arbeit getan. Die Älteste der Töchter begann zu fragen, wem soll ich dies Stück geben, wem jenes, und der Jüngste entschied. Es wurde nun genommen, was gegeben, der erste Biss getan, der schon so lange nach der süßen Verführung lechzende Gaumen erlöst. Ein Schrei wurde laut, durchdringend und klar ertönte er aus der Mutter Mund und gar schön glitzerte etwas zwischen ihren Zähnen. Der Schatz war gefunden so war sie sich sicher und siegesgewiss griff sie nach Amt und Krone. Die Töchter in Jubel umringten sie wüst. Sie streckte die Hand nach dem goldenen Reifen, gebettet lag er in der Mitte des Tischs. Ein Hindernis jedoch war da ganz plötzlich so erkannte sie. Es war der Arm des Vaters. Der selbst war im Begriff zu rufen zu schreien, ja König das werde ich sein und, was die Mutter jedoch nicht bemerkte, ebenfalls funkelte da etwas, auf seinem Teller. „Wie kann das sein?“ Es kam empört hervor der kleine Richter. Fast stieß er sich den Kopf an Balken und Platte, so stürmisch sprang er aus seinem Versteck. „Ja wie kann das sein?“, stimmte nun auch die Mutter ein. Sie geriet in Zorn, sie raufte sich die Haare, Tränen der Wut drangen ihr in die Augen, erbost stierte sie auf den Gemahl, der nun mit diesem Moment zum Widersacher geworden. Sie meinte die Situation zu verstehen, der Mann, so dachte sie, ein unverbesserlicher Egoist der seinem Weibe keinen Erfolg zu gönnen vermag, da er auf dem ehrlichen Wege versagt, versucht nun mit Betrug und Intrige sein Ziel zu erreichen. Sofort fasste sie einen Plan. Nein, nicht mit roher Gewalt würde sie in diesem Konflikt Erfolg haben, mit ihrer Klugheit würde sie ihn überlisten und der Mutter Züge klärten sich: „Welcher Beweis spräche deutlicher als jener in meiner Hand. Ich bin der rechtmäßige Herrscher. Kein Zweifel besteht, der dies anzufechten vermag.“ eines heulenden eingeschüchterten Kindes. Von der Wucht des Schlages getroffen taumelte er zurück und fiel von der Tischkante. Auf allen Vieren kriechend verließ der Gebeutelte das Zimmer durch die am nächsten gelegene Tür. Der Konflikt jedoch war so nicht gelöst. Vielmehr war die allgemeine Wut durch den kurzen Zwischenfall nur noch gesteigert worden, und da diese sich nicht mehr auf den Sohn konzentrierte prallten Aggression und Unmut beider Parteien aufeinander. Der Vater polterte und schrie, die Mutter keifte laut, um sie herum lärmten die Söhne und Töchter, ein jeder versuchend die Schreie der anderen zu übertönen. An manchen Stellen sah man bereits Stöße, die verteilt, Haare, die gerissen und Hautstücke, die mit spitzen Fingernägeln bearbeitet wurden. der Brüder auf die Hand getreten war, entdeckte sie ihn schließlich, eingeklemmt zwischen zwei Bodenbrettern, unweit des Stuhls, auf dem der Vater gesessen hatte. Zur genaueren Analyse der Fundtücke flüchtete sie sich nun an den Rand des Zimmers. Zu ihrem Erstaunen handelte es sich bei beiden um Teile einer zerbrochenen Münze. Sie hielt sie aneinander und bemerkte, dass die Bruchkanten perfekt ineinander passten und so das ursprüngliche Geldstück wieder komplettiert wurde. So verstand sie. „ Beruhigt euch und seht her! Ich kenne des Rätsels Lösung. So haltet doch ein. Ein simpler Irrtum liegt all dem zu Grunde. So hört mich doch an und lasst die Streitereien sein!“, so schrie sie sich die Kehle aus dem Leib, um die anderen dazu zu bewegen inne zu halten und ihr zuzuhören. Doch gingen ihre Schreie, trotzdem sie diese mit Inbrunst ausgestoßen hatte, im allgemeinen Rufgemenge unter. Es kostete das Mädchen, das ohnehin bereits am Ende seiner Kräfte stand, weitere erschöpfende fünf Minuten, in denen sie sich schließlich, wie zuvor ihr Bruder, auf den Tisch stellte, um sich Gehör zu verschaffen. Endlich waren alle zur Ruhe gekommen und hörten ihr zu: „Seht her!“, sie zeigte die zerbrochene Münze in die Runde, „ Es gibt keinen Grund irgendjemanden des Betrugs oder sonstiger Missetat zu bezeichnen. Keinen beider Parteien. Denn ihr beide“, sie zeigte auf die Eltern, „ habt einen Teil des Schatzes gefunden, der, höchstwahrscheinlich als der Vater die Galette zerteilte, zerbrach.“ „Zeig her, das muss ich mir ansehen!“, fuhr der Hausherr in den Wortfluss seiner Tochter und entriss ihr die zwei Teile: „Es stimmt, sie hat recht!“, er dachte kurz nach, „Jedoch ist damit der grundsätzliche Konflikt, wer denn nun die Krone erhält, nicht gelöst.“ „Und ob er das ist!“, sagte die Mutter, nachdem sie die Münzteile in der Hand ihres Mannes aufmerksamen Blickes inspiziert hatte, „Es ist nämlich eines der beiden Stücke größer als das andere, womit dessen Besitzer auch einen größeren Anspruch auf den Titel hat. Auch erkenne ich an diesem Teil Bissspuren, die, das weiß ich sicher, von mir stammen müssen, da ich, wie ich mich entsinne, sehr fest zubiss als ich den Schatz fand.“ „Dass der Besitzer des größeren Teils mehr Anspruch auf die Krone hat, darin gebe ich dir Recht.“, antwortete darauf der Vater, „Jedoch nicht deiner unglaublichen Behauptung du wärest Jener. So entbehrt deine Argumentation doch jeder Logik. Selbstverständlich biss auch ich fest zu, als ich mein Kuchenstück aß, wie es nun einmal beim Kuchenessen auch gängig ist. So stammen diese Bissspuren doch eindeutig von meinen Zähnen. Denn Weib, auch wenn du auch noch so stark zubissest so würdest du es mit deinem schwachen Kiefer doch niemals erreichen solche Spuren im Metall zu hinterlassen.“ „So legt es mein werter Gatte also auf eine Demonstration meiner Bissstärke an. Die soll er haben!“, wie eine Katze sprang sie auf den Vater zu und hieb ihm ihre Zähne in die Hand, worauf dieser einen Schmerzensschrei ausstieß und das zerbrochene Geldstück zu Boden fallen ließ. Diese sehr unerwartete Reaktion der Mutter ließ den Konflikt erneut eskalieren. Wie kurz zuvor fing Jeder an wild herumzuschreien, jeder versucht seine Meinung möglichst laut den Anderen verständlich zu machen. Recht bald entfernten sich die Auseinandersetzungen dann auch von sachlichen Argumentationen über die Deutung der Bissspuren hin zu bloßen Beschimpfungen, die mehr und mehr von Handgreiflichkeiten beantwortet wurden. Die älteste Tochter, die erschreckt über diese erneute Eskalation sehr entmutigt war, wagte einen Letzten Versuch. Sie versuchte die Beteiligten auf die Sinnlosigkeit ihres Streites aufmerksam zu machen, indem sie ihnen ihr überdrehtes Verhalten vorhielt. Während der Vater sie nur fragte, wer denn um ihre Meinung gebeten hätte, blieb die Mutter ihr gänzlich eine Antwort schuldig. Diese so ablehnende Haltung der eigenen Eltern war zu viel für das noch recht junge Geschöpf. Sie brach in Tränen aus, rannte zur Tür, riss diese auf und verließ das Zimmer. Das Verschwinden der letzten Frieden suchenden Kraft öffnete alle verbliebenen moralischen Schranken der Beteiligten. Die Auseinandersetzung wurde immer heftiger und dramatischer. Bis tief in die Nacht tobte der Konflikt und man schrie sich aus Leibeskräften gegenseitig an. Nach und nach verließen die Kinder müde und geschlagen den Raum, bis schließlich nur die beiden Eltern übrig blieben. Am nächsten Morgen fand man sie nebeneinander auf dem Boden schlafend. Die Papierkrone lag zerknittert und zerrissen neben ihnen.

Was war bloß geschehen? Welch unverständliches Handeln? Denn hätte nicht die Mutter auf jeden Fall und niemals jemand Anderem als ihren Gemahl zu ihrem König gemacht, hätte sie denn Krone erhalten. Und hätte der Vater nicht ebenfalls mit Niemandem außer seiner Gemahlin die Königswürde geteilt, wäre er der Herrscher geworden.

La Galette des Rois

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