Kalter Baum
Es steht ein Baum in unsrem Garten
Das Laub ist welk, das Holz muss warten
Der Stamm majestätisch und so prall
Präsentiert sich stolz von überall
Am Tag mag er so prachtvoll sein
Doch Nachts da jagt er Angst uns ein
Alte Narben zieren die Rinde
Gefleckte Blätter streuen im Winde
Laub singt eine schauer Melodie
Miteinander zur nächtlichen Symphonie
Schatten schreiten durch Mondes Licht
Vereint tun sie kund, das schwarze Gedicht
Wolken ziehen dicht den Mond
Und wo Pech und Schwefel wohnt
Rücken sie zum Baume stolz
Sehnen sich nach kaltem Holz
Saugen sich fest mit toten Lippen
An den grauen Baumes Rippen
Doch nicht Einer kann sie sehen
Nur der Wind kann sie verstehen
Von bösen Taten sie erzählen
Wollen doch den Baum nur quälen
Trocknen seine Wurzeln aus
Erquicken sich an ihrem Schmaus
Der alte Baum, er wird nun welker
Und seine Borke immer kälter
Kann seinem Schicksal nicht entrinnen
Kann diese Schlacht nicht mehr gewinnen
So fallen nun die letzten Blätter
Wie feine Asche, zart und bitter
Langsam lassen sie von ihm ab
Jäher Regen schöpft nasses Grab
Genährt, gestillt von seinem Fleische
Schleichen sie zur nächsten Eiche
Setzten ihre Taten fort
Findet der Hunger ihren Ort
Tote Bäume sähen Bilder
Doch keine Warnung, keine Schilder
Hört man ihre Rufe mehr
Der Wind erzählt vom Walde, leer