
An die Nornen
(von BitSTreamer)
Nun lebe ich so manches Jahr
und werd' der Gegenwart gewahr,
die ich, wie ich schon immer dachte,
mit Fug und Recht recht gut verachte.
Doch siehe da, was ist gescheh'n,
ich kann da neue Dinge seh'n,
so neu und alt, daß ich fast glaub',
ich sei der Nornen böser Raub.
Die, die den Schicksalsfaden spinnt,
die sorgt, daß Hab' und Glück verrinnt,
hat scheinbar nun, wo ich verblasse,
die große Masche fallen lassen.
Wo alles hell, wird alles neu,
vorbei das trübe Einerlei,
daher, wo Neues wird geschafft,
bezieh' auch ich die große Kraft.
Ich spann' die Pferde, lenk' den Wagen,
fast traue ich mich nicht, zu sagen:
vor des Lebens hartem Henker
werde ich zum Wagenlenker.
Halt mir die schönste aller Bräute,
und unter fröhlichem Geläute
fahr ich mit ihr - Seit' an Seit' -
voll Wonne in die neue Zeit.
Ihr Nornen, schenkt mir Eure Gunst,
es ist fürwahr die große Kunst,
wohl für das Leben nur zu voten,
hat Euer Faden lauter Knoten!
Verschont des alten Glaubens Sohn
zur Abwechslung mit Eurem Hohn
laßt mir dies holden Weibes Glück
an Zeit auch nur ein kleines Stück!