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xxAm Ende des Horizonts
Geschrieben von Tayler_Noble am Mittwoch, 17. Januar 2007
 Kurzgeschichten Mit leeren Augen sah er in die tiefe ferne und betrachtete die leere Dunkelheit am Ende des Horizontes. Wie sehr ähnelte sie seiner eigenen inneren leere. Eine schwarze Unendlichkeit, so bitter, und doch ohne jeden Geschmack. Mit tiefster Demütigkeit dachte er an jenen, der sein ganzes Leben geprägt hatte. Nein, nicht nur geprägt, erfüllt hatte er es. Erfüllt mit Kummer und Leid. Übergossen mit den Tränen der Unschuld und genährt mit den Speisen der Sehnsucht. Die Frage nach dem Warum, nach dem einen Grund, der ihn all das erleiden lies, schwebte immer noch unausgesprochen in der schweren Luft. Die eine Frage, die er nie zu fragen wagte, auch wenn sein Herz danach schrie, oder der Schmerz nach Erkenntnis ihn innerlich zu zerreisen versuchte, so konnte er sich nicht überwinden die Frage an jenen zu stellen, der sie ihm wohl nie beantworten würde. Ohne Erkenntnis, ohne Hoffnung und Zuversicht, ist selbst das schönste Leben plötzlich nicht mehr, als dieser Horizont. Kalt und leer, weit wie die Unendlichkeit, und tiefgründig, wie die weiten des schwarzen Meeres. Verlassen, verloren, verzweifelt. Die Angst sprudelte wieder in seinem Blut, der Wahnsinn nagte an seinen Nerven, und ein anschwelendes Schwindelgefühl überströmt ihn und er kam ins wanken. Seine großen Füße verloren den Halt, seine starken Beine klappten zusammen, und sein zitternder Rumpf viel nach vorne über, geradewegs Richtung Abgrund . . . . 20 Jahre zuvor… Die roten Augen, von Tränen erfüllt und von Händen wund gerieben, sahen auf die verwelkte Blume in seiner zitternden Hand. Einst war diese Blume die schönste aller Rosen gewesen. Sie strahlte eine wahre Besonnenheit heraus und umgab sich mit anmutiger Schönheit und erfüllter Glückseligkeit. Stundenlang hatte er sie manchmal angesehen, wie sie dort im Sonnenschein badete, umhüllt von den warmen Sommerdüften des Windes. Doch jetzt, nach einer schier unendlich wirkenden Zeit, war sie in sich zusammengefallen. Ihre Blätter hatte sie abgeworfen, wie ein Baum seine Blätter im Herbst abwirft, und nun lagen sie alle schwarz und vertrocknet auf der Fensterbank und umrundeten die Rose wie ein Meer aus leblosen Seelen. Dabei hätte er diese Rose heute mehr den je gebraucht. Seine Mutter schrie so schmerzerfüllt auf, dass der Junge unwillentlich zusammenzuckte und erneut in Tränen ausbrach. Sein Vater lief an ihm vorbei ins Schlafzimmer und warf sich neben dem Bett auf den Boden. Der Junge merkte auf einmal wie sich sein Magen verkrampfte, sich sein Hals zuschnürte und seine Hände so sehr zu zitterten begannen, dass sie den toten Stiel der Rose entzwei brachen. Noch mehr Tränen schossen aus den roten Augen und liefen über ein verzweifeltes Gesicht. „Komm her! Schnell! Mama stirbt!“, rief sein Vater und er lief so schnell er konnte los, doch kaum stand er im dunklen Schlafzimmer seiner Eltern, erstarte sein Körper zu einer Statur gleichen Figur. Seine blasse Mutter lag im Bett und zitterte am ganzen Körper, während sie verzweifelt nach Luft rang. Ihre langen Finger krallten sich hilflos in die weiße Matratze, ihre Augen hatte sie weit aufgerissen. Schwarze Augen, so tief und schwarz. Sie schrie erneut, so laut und schmerzhaft, dass auch der Junge verzweifelt aufschrie. Ihr Körper bäumte sich im Bett auf und sank wieder hernieder, bäumte sich wieder auf und sank hernieder. Plötzlich hatte der Junge wieder Gefühl in seinem Körper. ‚Das durfte nich passieren’, schoss es ihm durch den Kopf, ‚dass durfte nicht passieren!’ Er musste es aufhalten, er musste. Panisch sprang er auf das Bett und warf sich auf den dürren Leib seiner Mutter. „Du darfst jetzt nicht sterben, hörst du. Du darfst jetzt nicht sterben“, schrie er in seiner Verzweifelung. Er schlang seine Arme um den kalten Körper, Tränen durchnässten ihr weißes Nachtkleid, und sein Weinen und Klangen wurde zu einem Stammeln und Seufzen, unterbrochen von hektischen Atemzügen und lauten Naseschnäuzen. Unerwartet packte ihn eine starke Hand fest am Rücken, riss ihn gewaltsam von seiner Mutter herunter und warf ihn grob vom Bett. Die wilden Augen seines Vaters sahen ihn hasserfüllt an, sein Atem war schnell und flach, und seine Finger zuckten wild und unkontrolliert. „Das ist alles nur deine Schuld!“, schrie ihn sein Vater wuterfüllt und verzweifelt zugleich an. „Du hast Mama krank gemacht, du hast ihr wehgetan, du hast…“, sein Vater musste nach Atem ringen, dann schrie er weiter. „ Du hast Mama getötet!“. Er ging schnellen Schrittes zu dem Jungen und schlug auf ihn ein. Tränen der Verzweifelung schossen aus dem Gesicht seines Vaters, während er immer kräftiger zuschlug. „Warum hast du das gemacht?“, schrie er seinen Sohn an, „Warum hast du ihr das angetan?“. „Ich…“, der Junge heulte, seine Lippen zitterten, rotz lief aus seiner Nase. „Ich…ich habe… das nicht gemacht“ „Wer war es dann?“, schrie sein Vater mit heiserer Stimme, und hob drohend seine rechte Hand, um bei einer falschen Antwort erneut zuschlagen zu können. „Der…der liebe Gott?!“, flüsterte der Junge ängstlich. Er kroch langsam in die hinterste Ecke des Zimmers, den Blick weiterhin auf seinen Vater gerichtet, der ihm langsam folgte. „Hör mir mal zu mein Junge“, er schrie jetzt nicht mehr, doch seine leise Stimme hatte plötzlich etwas Bedrohliches. „Es gibt keinen Gott, verstanden. Es gibt ihn nicht und es hat ihn auch nie gegeben. Mama hat dir nur immer diesen Scheiß erzählt, damit du sie nicht ständig mit deinen unaufhörlichen Fragen nervst“ „Das ist nicht wahr, es gibt Gott, und es gibt auch Jesus“, schrie der Junge verzweifelt. In diesem Moment brach eine ganze Weltordnung unwiderruflich in ihm zusammen. „Ok, wenn es Gott gibt, dann tötet Gott gerade deine Mutter.“, etwas Wahnsinniges lag plötzlich in der Stimme seines Vaters. Während er sprach, kniff er seine Augen zu kleinen Schlitzen zusammen und verzog das Gesicht zu einer beängstigenden Fratze. „Gott ist nämlich nicht lieb und gut, Gott ist ein perverses Monster das Spaß daran hat, uns Menschen zu quellen“ „Sprich nicht so über ihn Dad, bitte…“ Sein Vater wollte gerade wieder den Mund öffnen, als seine Frau erneut aufschrie. Sein Vater drehte sich um und warf sich auf das Bett. Langsam stand der Junge auf. Der Schmerz der Schläge überschwemmte ihn wie eine Welle, doch der drang bei seiner Mutter zu sein war stärker. Er ging auf die andere Seite des Bettes und legte seine nasse Hand auf die schlaffe Hand seiner Mutter. Sein Vater beachtete ihn nicht mehr. Er lag auf dem Bett und weinte. Er weinte, wie ihn der Junge noch nie hatte weinen sehn. Plötzlich riss seine Mutter ihre Augen weit auf, die nackte Panik stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie bäumte sich auf und schrie mit aller Kraft: „Gott, warum hast du mich verlassen?“ „Es gibt keinen Gott“, schrie sein Vater plötzlich auf, erhob sich ruckartig und schlug seiner Mutter ins Gesicht. Ein lautes platschen ertönte, brach sich an den kalten Steinwänden und halte in den Ohren des Jungen wie ein lautes Echo wieder. Seine Mutter fiel rücklings auf das Bett zurück und blieb regungslos liegen. Starr stand der Junge neben dem Bett. Er atmete sehr langsam und schwach, seine Augen wurden glasig und der kleine Körper versteifte sich augenblicklich von neuem. „Pa…Pa…Papa“, flüsterte er leise, doch sein Vater reagierte nicht. „Papa, was ist mit Mama?“. Ein stummes Schweigen war die Einziegste Antwort, die er bekam. Er fühlte sich plötzlich als ferner Zuschauer einer schrecklichen Geschichte. Sein Mund sprach von selbst, doch die Stimme hörte sich fern und monoton an. Die ganze Szene erinnerte ihn an einen schlimmen Albtraum. ‚Gleich wache ich auf’, dachte der Junge, ‚dass ist alles nur ein schlimmer Traum, und gleich wache ich auf...’ „Sie ist tot“, sagte sein Vater leise, mit einer so gefühlslosen Stimme, dass der Junge spürte wie es ihm kalt den Rücken herunter lief. Sein Vater stand von dem Bett auf und verlies schweigend das Zimmer. Sein Blick war eisern und kalt, kein Mitgefühl, nicht einmal Trauer spiegelte sich in seinen Augen wieder. Noch immer stand der Junge regungslos vor dem Bett und starrte auf seine verstorbene Mutter. Er konnte nicht glauben was eben passiert war. ‚Das ist alles nur ein Traum, das passiert nicht wirklich’, schoss es ihm wieder durch den Kopf. ‚Gleich wache ich auf, und dann ist Mama wieder bei uns.’ Ein ohrenbetäubender Knall riss ihn aus seinen Gedanken. Ohne weiter darüber nachzudenken was er tat, lief er aus dem Zimmer, in das Büro seines Vaters, doch im selben Moment rannte er sofort wieder heraus. Die Tränen schossen erneut aus seinen Augen, und ein Schrei rannte seine Lunge hinauf und sprang aus seinem Mund heraus. Er schrie und weinte, bis er nicht mehr konnte. Dann viel er ihn Ohnmacht… Fortsetzung folgt…

Am Ende des Horizonts

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