
Im Februar lernte ich Anton im Internet kennen. Er hatte eine
ansprechende Anzeige geschaltet. Ich habe auf das Inserat
geantwortet und bekam dann auch Antwort.
Eine Weile haben wir gemailt und ich fühlte mich geborgen. Wir
fingen an, zu telefonieren und irgendwann war es dann jeden
Tag. Ich wurde viel gewahr. wir sprachen viel über Glauben und
dabei erfuhr ich, dass er während des Zivildienstes zum katholischen Glauben übergetreten ist. Er kam damit nicht zu-
recht evangelisch zu sein. Für ihn war es auch wichtig, dass ich
Christin bin.
Er interessierte auch für die Kirchen. Ich habe ihm die drei
Stadtkirchen gezeigt.
Anna hatte kurz Anton gesehen, als sie kurz das Brot in die Kirche brachte.
Er sich auch da sehr nett verhalten. Ich verbrachte einen wunderbaren Tag mit Anton.
Am Abend fuhr er zurück zu seinem Freund. Dieser wurde
einen Tag vorher zum Priester geweiht. Anton hatte Glück,
weil er in der Klosterschenke übernachten konnte.
Montags telefonierten wir dann weiter. Anton wohnte 550
km von mir entfernt. Ein Auto wollte er nicht, weil er auch
keinen Führerschein hatte. Den wollte er auch nicht machen.
Aufgrunddessen war es halt schwierig mit den Besuchen.
Mutti hatte sich auf mit Ralf zweimal unterhalten, aber sie
war sehr sekptisch.
Während der Telefonate hatte er mich dann eingeladen. Ich
sollte bei ihm Urlaub machen. Meine Freude war groß.
Bei den vielen Gesprächen erfuhr ich, dass Anton zwei Mit-
bewohner hatte.
"Ist das ein Päarchen?" frug ich.
"Du musst doch wissen wie ich glaube. Homos und unver-
heiratete kommen mir nicht ins Haus !! Ich mache doch keinen Puff daraus", schmipfte er.
"Was machst Du wenn Du ein Gefühl hast? Machst Du einen
Knoten oder gehst Du in die Wüste", meinte ich dazu.
"Er geht in die Wüste um alleine zu sein", kam zurück.
Mutti hatte sich bereit erklärt zu fahren. Sie wollte auch
wissen wo ich hin gehe. Nun fingen die Probleme erst recht
an. Zuerst gab es Unstimmigkeiten zu Hause und fehlte uns
noch ein Auto. Es war einfach so kaputt gegangen.
Nach langem Überlegen bekamen wir doch ein Auto. Wir hatten
Glück dass die Leihfirma gerade einen Wagen herein bekam.
Sofort wurde das Auto geholt und wir freuten uns nun auf die
Fahrt.
Nachdem wir alles erledigt hatten, ging es dann los. Die Hin-
fahrt war gut und man bekam viel zu sehen. Es war für uns eine
fremde Gegend.
Was wir zu sehen bekamen, war einfach beruhigend und die
frische Luft tat uns gut. Es gab dort viel Natur, einsame lange
Strassen sowie viel See und Meer. Tiere gab es auch viele.
Auch Anton hatte Tiere. Oft erzählte er mir von seinen zwei
Katzen, einem Hund, Ziegen, Schafen, Gänse sowie Hühner und
Tauben.
Ich liebe auch Tiere und es ist was wunderbar mit Tieren umzugehen.
Am Abend traf ich Anton. Er merkte nicht einmal, dass ich
aufgeregt war und sich bei mir Müdigkeit einschlich.
Wir holten noch meine Sachen aus dem Auto und ihm war es
zu lästig meine Tasche zu tragen.
Voller Stolz zeigte er uns sein Haus. In der oberen Räumen,
an den Fenstern entdeckte ich Spinnweben. Freundlich deutete
ich darauf und sagte es ihm.
"Du kannst es ja wegmachen", meinte er zu mir.
Mutti blickte mich nur an. Ich blieb ruhig.
Nachdem Mutti gefahren ist, gingen wir noch in den Gottes-
dienst. Ben hatte uns gefahren, er war auch auf Besuch. Der
Eindruck von ihm war nicht positiv.
Als der der Gottesdienst zu Ende war, stellte Anton mich
einer lieben Seniorin vor. Sie wünschte mir viel Glück mit
Anton.
Ich bat Anton mir noch die Mariengrote zu zeigen. Wir gingen
dahin und ich hackte mich bei ihm ein. Er war widerwillig.
Nachdem wir wieder zu Hause waren, kam dann der Satz:
"Du musst noch dein Bett beziehen." Ich hielt Ruhe, weil ich
genervt war.
Anton steht auf dem Standpunkt, dass sich jeder einbringen muss.
Als ich mein Bett bezogen hatte, fragte ich nach dem Abendbrot.
"Das ist schwierig, ich esse kein Abendbrot", erklärte Anton
"Hast du denn Hunger", wollte er noch wissen.
"Ja", antwortete ich.
"Das ist schwierig, mal sehen was ich für auf Brot habe", maulte er.
Wir aßen dann zu dritt und dabei kam heraus, dass
Ben Selbstversorger ist. Das Anton mir mindestens dreimal
erklärt.
Richtig wohlgefühlt habe mich nicht.
Nun hatte ich das Bedürfnis zu duschen. Ich ging in die Dusche.
Meine Finger glitten über das Waschbecken und ich hatte
dreckige Fingerkuppen. Die Dusche war auch nicht sauber. Im
Abfluss waren noch Haare von irgendwann. Man sah dass die
Dusche länger nicht benutzt worden war. Nun bat ich Anton mir
einen Lappen mit Putzmittel zu geben.
"Wie bist du denn drauf", reagierte er.
"Ich will es sauber haben", gab ich zurück.
"Das ist mein Haushalt", sagte er beleidigt.
Halte Ruhe, dachte ich bei mir. Als ich fertig war mit Duschen,
wollte ich mit Anton reden. Er gab mir nur zu verstehen, dass
er sich nicht rechtfertigen wollte. Ich wünschte ihm eine Gute
Nacht.
Mein Schlafzimmer war zum Glück sauber. Aber tortzdem
ließ manches zu wünschen übrig.
Am nächsten Morgen war ich früh auf und ging zur Toilette.
Mir bleib die Luft weg. Die Brille und der Deckel standen auf-
recht. Der Urin lachte mich an. Nun machte ich die Toilette
sauber. Als ich fertig war, schnappte ich mir Ben. Ich habe ihn
ausgeschimpft. Er maulte zwar und ich wurde etwas energischer.
Dann kam Anton und ich fragte nach dem Frühstück.
"Ich muss die Tiere versorgen", bekam ich zu hören.
"Bei uns geht das Ruckzuck", gab ich zurück
"Mag sein, es aber nicht Ruckzuck. Wir frühstücken um
09.00 Uhr. Ich frühstücke eigentlich nicht", wurde ich belehrt.
Das Frühstück war auch schwierig, ich bekam eine Scheibe
Brot mit Marmelade.
Ich wollte nach dem Frühstück spazieren.
"Du mußt helfen", kam von Anton.
"Ach, ich kam schon überflüssig vor", meinte ich.
Zuerst half ich abtrocknen. Als ich die Sachen einräumte, ent-
deckte ich schmuddelige Tassen. Es waren Reste von Kaffee
und Tee an den Rändern. Ich zeigte es ihm.
"Das ist nun mal so, wenn man Tee oder Kaffee trinkt", maulte
Anton.
"Da nimmt man mal schärfere Mittel", tat ich kund.
"Du weißt, dass ich nicht dafür bin", reagierte er empfindlich.
Ich stellte die Tasse so dreckig wieder in den Schrank.
Nun sollte ich die Küche fegen und ich machte das auch. Ich
nahm die schmutzige Wäsche aus der Ecke. Anton kam gerade
vorbei und sagte: "Die kannst auch mal nehmen".
"Schon wieder ein Vorwurf", kam von Anton.
"Das war kein Vorwurf,ich habe es Dir nur gesagt", gab ich
genervt zurück.
"Es hörte sich aber so an", hatte Anton das letzte Wort.
Als ich mit fegen fertig war, gab er mir einen Eimer Wasser.
Mit einem dicken Frotteetuch kam er dann wieder.
"Was soll ich damit?" fragte ich.
"Putzen", meinte er
"Besorg mir einen richtiges Putztuch, damit putze ich nicht",
reagierte ich energsich.
"Sei zufrieden mit dem was ich dir gebe, es ist mein Haushalt",
Anton war wieder beleidigt.
"Wenn du so empfindlich und beleidigt auf alles reagierst hat
es mit uns keinen Sinn", sagte ich sehr laut.
"Dann hat es keinen Sinn", erwiderte er.
"Ich gehe jetzt spazieren und dann weiß ich was ich will",
gab ich Anton zu verstehen.
"Du putzt nicht", meinte Anton.
"Nein, ich putze nicht", erklärte ich.
"Wie du meinst, dann eben nicht", maulte er.
Ich bin gegangen und habe mich beruhigt. Mit Mutti sprach ich
auch.
"Mensch packe deine Sachen, ich werde dich schon holen,"
tröstete mich Mutti.
"Ich wollte doch Urlaub haben", meinte ich.
"Pack deine Sachen, gehe zur Tankstelle und erkundige nach
einem Taxi fürs Hotel," sagte sie.
"Na gut", sagte ich erleichtert.
Ich kehrte um, ging zur Tankstelle, erkundigte mich nach dem
Taxiunternehmen. Eine Funknummer bekam ich.
Als ich gepackt hatte, habe ich mich von Ralf verabschiedet.
Ich ging dann den Weg zur Tankstelle und die Funknummer
stimmte nicht. Ein Glück, dass mich der Besitzer der
Tankstelle ins Hotel brachte. Ich war sehr erleichtert.
Im Seehotel konnte ich mich ausruhen und essen. Ich habe den
Rest des Tages genossen. Aber es wollte nicht abreißen. Gegen
18.30 Uhr rief Ollie an, dass Mutti sich verspätet. Sie hatte
etliche Stunden im Stau gestanden. Ich habe gewartet und
gewartet, aber meine Mutter kam nicht.
In der Zwischenzeit erfuhr ich, dass ich in mehreren Staus ge-
standen hat und auch in einige Unwetter rein gekommen ist.
Dazwischen hatte Anton angerufen, aber ich habe die Gespräche weg gedrückt.
Um Mitternacht bin ich dann mit dem Hotelpersonal wieder
zur Tankstelle zurück. Von nun an saß ich da alleine. Es war
mir unheimlich und ich sah immer wieder die Wetterleuchten.
Mittlerweile war es 02.00 Uhr geworden. Ich wurde immer
unruhiger und ich habe gebetet.
Nun kam endlich ein Auto, es war der Sicherheitsdienst. Dieser
Mann grüßte freundlich und wollte wissen was ich nun um diese
Zeit an der Tankstelle machte. Ich erklärte die Situation. Er
versuchte zu helfen und telefonierte mit Mutti. Sie war total
fertig, sodass sie ihn bat mich zu bringen.
Ich fuhr auf eigene Verantwortung mit und erzählte unterwegs
dem Secuman was mir widerfahren war. Er hielt nichts von
Internet erfuhr ich.
Um 02.30 Uhr traf ich dann Mutti in einer anderen Stadt. Wir
waren froh, dass wir uns trafen. Secuman warnte mich noch mal
eindringlich vor dem Internet.
Wir sind gut und erschöpft zu Hause angekommen. Mein Urlaub
war nun hinüber und die Enttäuschung groß.