
Eishauch
Ein Eishauch fiel in meine Jugend,
Und nahm mir fort den schönen Mai,
Gehorsam war die höchste Tugend,
So flog die Zeit an mir vorbei.
Nur Pflichterfüllung war mein Leben,
Mir schien, das müsse wohl so sein,
Bis ich erkannt’ mein sinnlos Streben,
Den Mut ergriff und sagte: „Nein!“
Es nützt mir nichts darob zu klagen,
Jedoch verändern kann ich viel,
Wenngleich mir stets die Menschen sagen,
Was Lebensinhalt mir und Ziel.
Die unbeschwerten Jugendtage,
Sie kehren nimmer mehr zurück;
Mein teurer Freund, nur dir ich’s sage,
Du bist mein heimlich stilles Glück.
In meine Herbst gefärbten Stunden
Dringt deiner Freundschaft mildes Licht,
Durch dich erst hab ich mich gefunden,
Du schenkst mir wieder Zuversicht.
Kein Leben hat nur dunkle Tage,
Es liegt an mir, ich seh’ es ein,
Wie ich’s gestalte ist die Frage,
Die Antwort liegt bei mir allein!
© Brigitte Pulley-Grein
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