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xxDer Deist
Geschrieben von sentinel am Dienstag, 15. November 2005
 Kurzgeschichten Ein Tropfen Tinte auf dem Papier... Mühsam aneinander gereiht, malen Worte Bilder. Sieh mit mehr als nur mit Deinen Augen... Wirklich nur eine Geschichte? Alles nur der Phantasie entsprungen?
Es war einmal, nun nicht unbedingt in grauen Vorzeiten, doch zu einer Zeit als die Luft noch rein, das Wasser klar und die Menschen noch ein Lächeln für einander übrig hatten, ein englischer Lord. Sein Name ist mir entfallen, doch nennen wir ihn Lord Hope. Lord Hope war einer der reichsten und angesehensten Männer in der Stadt. Stets war er gern gesehen und es schien, als hielte seine Anwesenheit das Unheil fern. Eines Tages jedoch klopfte das Schicksal auch an seine Tür. Ein schweres Fieber nahm ihm kurz nacheinander Frau und Kind und ließ ihn in Trauer und Einsamkeit zurück. Fortan mied er die Geselligkeit, zog hinaus auf seinen Landsitz und wollte nie wieder einen Menschen sehen, bis auf eine Magd. Seit vielen Jahren schon dem Hause treu ergeben, tat sie im Hause was es auch zu tun gab, stets ohne Grund zur Klage. Der Lord verstand soviel Eifer wohl zu belohnen. Er gewährte ihr freie Kost und Logis und zahlte zudem einen guten Lohn. Die Magd, stets sparsam, wusste beides zwar zu schätzen, doch lehrte ihr das Leben, des eignen Glückes selber Schmied zu sein. Alles zu gegebener Zeit. Eines Morgens nun kniete sie vor ihrem Bett, faltete die Hände zum Gebet und sprach: "Lieber Herr im Himmel, stets war ich dir treu ergeben. Gewiss kannst du auch verstehen, dass nach all den vielen Jahren im Dienste zweier Herrn nur einer noch mein wahrer Gott sein kann. Doch auch an zweiter Stelle sei meiner Treue dir gewiss." Der Lord, dem Spiele wohl ergeben und auch der Schmeichelei sehr angetan, hörte diese seltsame Zwiesprache mit Gott, da er zufällig an der Kammer der Magd vorbeikam. Hoch erfreut über soviel Treue und Ergebenheit, doch hielt er es wahrlich nicht für bare Münze, erlag Lord Hope dem Trieb zum Spiele und beschloss den Glauben seiner Magd fortan zu belohnen. Ein Goldstück täglich war der Reiz ihm wert. Während die Magd im Hause ihre Pflicht tat, schlich er in ihre Kammer und legte ein Goldstück unter ihr Kopfkissen. Als am Abend dann die Magd, gezeichnet von des Tages Mühen, in ihre Kammer kam, schaute sie sogleich nach. Sich nun sicher, dass der Lohn für ihre Mühen endlich ihr zum Greifen nah, ließ sie einen Augenblick der Schwäche zu und trat lächelnd vor den Spiegel. So ging die Zeit ins Land und mit ihr auch der Reiz des Neuen, der längst schon Alltag und der Macht der Gewohnheit unterlegen. Eines Morgens rief Lord Hope die Magd zu sich aufs Zimmer. Er selbst lag noch im Bett, das Atmen fiel ihm schwer, und mühsam nur gelang es ihm den Kopf zu heben, als die Magd ins Zimmer trat. "Ruf nach dem Doktor! Mir geht’s nicht gut, das Alter macht zu schaffen." "Nein mein Herr," antwortete die Magd ruhig, "es wird nichts nützen. Ich war es, die täglich Euch den Tee vergiftet hat, so wie Ihr es all die vielen Jahre wohl mit meiner Seele tatet. Seht, auch jetzt beansprucht beide Möglichkeiten Ihr für Euch." Die Augen des alten Lords füllten sich mit Tränen und leise aber fordernd sprach er: "Sag, im Angesicht des Herrn, wie kann ich gleichfalls Sieger und Verlierer sein?" "Als Gott ward meiner Ergebenheit ihr nicht wert, zu karg war Euer Lohn für meine Treue. Als meinen Herrn jedoch, da ist der Sieg der Eure. Ich diene Euch treu bis in den Tod!", so sprach sie, und rammte noch zu guter Letzt den Dolch ihm in die Brust.

Der Deist

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