Statistik
Wir hatten
15 342 425
Seitenzugriffe seit Juli 2002

81 Web-Links
5 576 * besucht

7 Files wurden
65 * gesaugt

Dateien:
17,04 MB
xxDie Bank in der Altstadt
Geschrieben von Anette am Mittwoch, 09. März 2005
 Abschied Als ich in unserer nahegelegenen Stadt durch die Altstadt fuhr und diese Idylle dort sah, ist dieses Gedicht entstanden
Ein Spätsommernachmittag, ich war in der Stadt.
Nach ein paar Stunden hatt’ ich den Lärm dort satt.
Ich ging Richtung Altstadt, es war nicht sehr weit.
Mein Bus fuhr noch nicht, ich hatte viel Zeit.
Links und rechts sah ich winzige Gassen
mit uralten Pflastern auf den Straßen.
Durch diese Wege, die kleinen, engen,
kann kein Auto sich mehr zwängen.
Die Häuser sind dicht aneinander gebaut,
mit ganz kleinen Fenstern, aus denen man schaut.
Ein romantischer Platz , hinter dem Tor,
verborgen durch eine Linde davor,
mit einem Brunnen, der klares Wasser noch hat.
Man spürt hier nichts von der Hektik der Stadt.
Alles ist friedlich, sauber und stille,
mit Blumenkübeln in Hülle und Fülle.
Ich war sehr beeindruckt und ruhte mich aus
auf einer uralten Bank, vor einem Haus.
Nach einer Weile, so kam es mir vor,
vernahm ich eine Stimme an meinem Ohr.
Ich schaute mich um, konnt’s nicht versteh’n,
es war nirgendwo jemand zu sehn.
„Ich bin es, die alte Bank unter dir“,
sprach die leise Stimme zu mir.
„Vor fast 60 Jahren“, sagte sie stolz,
„baute man mich aus Tannenholz.
Auf meinem Rücken haben viele gesessen,
keinen davon habe ich je vergessen.
Ich kenne all’ ihre Geschichten,
des Großvaters, der Kinder, Enkel und Nichten,
hab immer geschwiegen, nur zugehört
und keinen von ihnen jemals gestört.“


Ich lehnte mich verwundert zurück,
das Holz der Bank knackte, das alte Stück.
„Schau ruhig hin“, erzählte sie mir,
„überall Risse und morsch steh ich hier
an dieser Stelle, nun Tag und Nacht,
das Wetter hat mir zu schaffen gemacht.
Früher, ja, es liegt schon sehr weit,
bekam ich regelmäßig ein neues Kleid.
So alle zwei Jahre zirka war’s dann,
strich man mich mit neuer Farbe noch an.
Mal war ich braun, mal rot, mal weiß,
und beim Streichen lief manch einem der Schweiß.
Seit vier Jahren bin ich, du siehst es genau,
das allererste mal dunkelblau.
„Doch“, seufzte sie leise, „es soll bald gescheh’n,
nächstes Jahr werd’ ich nicht mehr hier steh’n.
Meine Pflicht sei getan, hat man gesagt,
doch mich haben sie gar nicht gefragt.“
Ihre Stimme wurd’ noch leiser und ganz schwer:
„Eine Neue aus Kunststoff soll nun hierher.“
Ich spürte kein’ Lufthauch, keine Fliege summte,
als die alte Bank darauf plötzlich verstummte.
Dann stand ich auf, ich musste nun geh’n
und murmelte leis’: „Auf Wiederseh’n.“
Nach ein paar Schritten dreht’ ich mich stumm
noch einmal zur alten Bank hin um.
Ich winkte verstohlen, mit traurigem Blick,
und mir war’s, als winkte sie mir zurück.

~~AE~~

Die Bank in der Altstadt

Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.


Einstellungen
Artikel Bewertung
Ergebnis: 4
Stimmen: 1


Bitte nehmen Sie sich die Zeit und bewerten diesen Artikel:
Excellent
Sehr gut
Gut
Okay
Schlecht

Verwandte Links

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema Abschied: