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xxDie Brück' am Tay
Geschrieben von firestarter am Samstag, 17. Juli 2004
Theodor Fontane
Wann treffen wir drei wieder zusamm?"
"Um die siebente Stund', am Brückendamm."
"Am Mittelpfeiler."
"Ich lösche die Flamm."
"Ich mit."

"Ich komme vom Norden her."
"Und ich vom Süden."
"Und ich vom Meer."

"Hei, das gibt einen Ringelreihn,
Und die Brücke muß in den Grund hinein."

"Und der Zug, der in die Brücke tritt
Um die siebente Stund'?"
"Ei, der muß mit."
"Muß mit"

"Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand!"


Auf der Norderseite, das Brückenhaus -
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu,
Sehen und warten, ob nicht ein Licht
Übers Wasser hin "Ich komme" spricht,
"Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
Ich, der Edinburger Zug."

Und der Brückner jetzt: "Ich seh' einen Schein
Am anderen Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
Unser Johnie kommt und will seinen Baum,
Und was noch am Baume von Lichtern ist,
Zünd' alles an wie zum heiligen Christ,
Der will heuer zweimal mit uns sein, -
Und in elf Minuten ist er herein."

* * *

Und es war der Zug. Am Süderturm
Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
Und Johnie spricht: "Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
Die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie's auch rast und ringt und rennt,
Wir kriegen es unter, das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück';
Ich lache, denk' ich an früher zurück,
An all den Jammer und all die Not
Mit dem elend alten Schifferboot;
Wie manche liebe Christfestnacht
Hab' ich im Fährhaus zugebracht
Und sah unsrer Fenster lichten Schein
Und zählte und konnte nicht drüben sein."

Auf der Norderseite, das Brückenhaus -
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu;
Denn wütender wurde der Winde Spiel,
Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel',
Erglüht es in niederschießender Pracht
Überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht

* * *

"Wann treffen wir drei wieder zusamm?"
"Um Mitternacht, am Bergeskamm."
"Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm."

"Ich komme."
"Ich mit."
"Ich nenn' euch die Zahl."
"Und ich die Namen."
"Und ich die Qual"
"Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei."

"Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand."
Dieser Ballade Fontanes liegt eine wahre Begebenheit zugrunde. Tatsächlich schrieb er sie unter dem unmittelbaren Eindruck eines schweren Eisenbahnunglücks in Schottland, von dem er Ende Dezember 1879 aus der "Vossischen Zeitung" erfuhr: Eine Eisenbahnbrücke über den Firth of Tay war eingestürzt und hatte einen Eisenbahnzug mit sich in die Tiefe gerissen.
Die vollendete Ballade mit ihren unverkennbaren Shakespeare- und Schiller-Anspielungen erschien bereits zehn Tage später in der Zeitschrift "Gegenwart", und ihr Erfolg lässt darauf schließen, dass sie die Leser bewegt hat.

Später wurde sie in die "Gedichte"-Sammlung von 1898 aufgenommen.

Die Brück' am Tay

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