Poeten-Treff
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Autor Thema: Das wirklich Schönste...  (Gelesen 3804 mal)
Geordi
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« am: 23.12.2006 - 10:26:57 »


von Jochen Steffens

Hinweis: Ich werde mir zwischen den Tagen (also vom 27. bis 29. Dezember) einen kleinen Kurzurlaub gönnen, um ein wenig zu entspannen. Im Januar werde ich dann wieder in alter Frische für Sie da sein. An diesen drei Tagen erhalten Sie nach bekanntem Prozedere einige zeitlose Texte aus den letzten beiden Quartalen, sowie Gastbeiträge meiner Kollegen. Und nun passend zu Weihnachten etwas Besinnliches:

Das wirklich Schönste...

...daran, wohlhabend zu sein, ist: Anderen Menschen zu helfen.

Nein, es ist nicht der Porsche. Den fährt man einmal, zweimal und noch ein paar Mal, dann wird er zu einem Alltagsgegenstand und man sehnt sich nach dem Bentley, dem Maybach, etc. Doch auch hier ist es dasselbe – alles Ersehnte wird, wenn man es dann besitzt, irgendwann normal. Der Kick der ersten Stunden verfliegt, je häufiger man ihn erlebt, desto schneller geht er wieder. Immer auf der Suche nach neuen Kicks wird das Leben unauffällig, aber grausam langweilig.

Nein, es sind nicht die teuren Anzüge, die hochwertigen Schuhe, die Uhr in Einzelanfertigung, von buckligen Uhrmachern hergestellt, die jedes einzelne Zahnrad unter dem Mikroskop mit der Hand ausgefeilt haben, nur damit noch ein Hauch von Exklusivität übrig bleibt. Eine Exklusivität, die lediglich einen Zweck erfüllt: Den späteren Träger dieser Uhr von anderen abzuheben.

Hinter all diesen peinlichen Versuchen, besser zu sein, als alle oder viele andere, sein Ego mit Äußerlichkeiten aufzupolieren steht: Große Leere. Und ganz ehrlich, wer es übertrieben nötig hat, seine „Wertigkeit“ in der Gesellschaft mit solchen Statussymbolen aufzubessern, dem fehlt doch offensichtlich das Selbstbewusstsein sich auch ohne diesen Nippes als wertiger Mensch zu fühlen. Entschuldigen Sie, aber schaut man hinter diese Notwendigkeit der Selbstdarstellung entdeckt man oft nur charakterliche Armseligkeit. Das ist einfach so.

Und so verwundert es nicht, dass die meisten „reichen“ Menschen, welche auf diese Konsumfalle der Eitelkeiten und Statussymbole reinfallen, unglücklich werden, auch wenn Sie es sich oft nicht einmal selber eingestehen wollen. Es verwundert nicht, dass in den reichen Ländern dieser Erde, eine schlimme Epidemie die Menschen befallen hat: Die Depression, die mit ihren dunklen und bitteren Klauen gerade jene Menschen befällt, die vermeintlich alles haben. Oft helfen dann nur noch Alkohol, Medikamente, Drogen und Exzesse, um das Gefühl der inneren Leere zu übertünchen.

Dabei ist es doch naheliegend: Menschen, die an ihrem Reichtum und Geiz ersticken, können keine menschliche Nähe erfahren, denn sie missbrauchen entweder die anderen lediglich als Bewunderer ihrer neuesten Errungenschaften, oder sie meiden Menschen, aus Angst ausgenutzt oder gar ausgeraubt zu werden, also etwas von ihrem Reichtum abgeben zu müssen. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen, in der Einsamkeit (und damit ist gerade auch diese innere Einsamkeit gemeint) wird er neurotisch und krank an der Seele, das ist unbestritten.

Nein, das wirklich Schöne ist, Menschen zu helfen. Dem Freund, der kurzfristig in finanzielle Bedrängnis geraten ist, ohne großes Aufhebens, ohne nur ein Wort darüber zu verlieren, beizustehen. Dem Penner auf der Straße ein paar Euro zu geben, auch wenn man weiß, dass er sich davon vielleicht nur eine weitere Flasche Schnaps kauft. Doch es geht darüber hinaus:

Es sind die stillen Spenden an Organisationen, die ebenso leise, aber energisch unter großem persönlichen Einsatz ihre Arbeit verrichten, Menschen in höchster Not zu helfen. Eine Not, die wir uns nicht einmal in unseren schlimmsten Albträumen vorstellen können. Jedem HartzIV-Empfänger in Deutschland geht es 1000fach besser als Menschen, die jeden Tag kurz davor stehen, zu verdursten. Menschen die in umweltverseuchten Gebieten leben, denen die entzündete Haut in Fetzen abfällt. Eltern, die miterleben müssen, wie ein missgebildetes oder hungerndes Kind nach dem anderen qualvoll stirbt. Menschen, die unglaubliche Schmerzen erleiden, weil ihre Krankheiten sie von innen auffressen, bei lebendigen Leib und sie nicht einmal das Geld haben, etwas gegen die Schmerzen zu tun.

Wie wenig machen wir uns bewusst, dass die ärmsten Menschen in Deutschland immer noch zu den reicheren dieser Welt gehören, denen es besser geht, als mind. 1-2 Milliarden (!) anderen Menschen auf dieser Welt! Wenn man sich dann das Gemotze und Gejammere hier anhört... aber das ist ein anderes Thema.

Sicher, viele von uns haben sich einen gewissen Wohlstand hart erarbeitet, gerade an der Börse kann man sagen: Sehr hart erarbeitet. Keine Frage. Und mit Recht darf man darauf stolz sein! Es besteht zudem kein Zweifel: Wer hart arbeitet, soll sich auch etwas gönnen dürfen. Aber ich habe trotzdem die Erfahrung gemacht, dass es das Schönste ist, was man mit einem Teil dieses sauer verdienten Geldes machen kann, es wieder abzugeben, um anderen zu helfen!

Ich gebe offen zu: Es ist purer Egoismus! Ich mache mir eine Freude damit, anderen zu helfen. Auch dazu stehe ich. Ich finde diese Einstellung wesentlich besser, als diese zum Teil falsch verstandene christliche Mentalität, dass Hilfe nur dann wirklich „gut“ sei, wenn sie unter großem Leid geschieht. Man muss nicht seinen letzten Mantel teilen, man muss nicht sein letztes Geld hergeben und jedem Bettler oder Bittsteller etwas abgeben.

Derartige Hilfe hat sicher etwas romantisches und theatralisches, aber die wirkliche Hilfe geschieht nicht mit einer großen Geste, sondern mit der stillen täglichen Arbeit und Hingabe! Man muss auch nicht jedem, der anfragt, helfen! Da bin ich sehr schmerzlos. Hilfe darf niemals zu einem Zwang werden; sie darf nicht dazu dienen, sein schlechtes Gewissen zu befriedigen, oder die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen. Hilfe sollte meines Erachtens einfach aus der reinen Freude zu helfen geschehen.

Und es macht einfach Freude, anderen still und leise eine Freude zu bereiten, zu helfen, da wo Hilfe Not tut. Das gilt für den nahen Freundeskreis, aber auch für jenen Menschen, die einen nie zu Gesicht kriegen werden. Ich freue mich daran – und im Gegensatz zu dem Porsche, wird das seltsamerweise niemals langweilig!
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Morgas
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« Antworten #1 am: 23.12.2006 - 17:12:41 »

 thumbup  
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nur weils dir schlecht gehts musste noch lange nich ne scheiß laune haben ^^
magic
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« Antworten #2 am: 23.12.2006 - 20:04:11 »

Also das ist wirklich das Schönste!
Und so etwas von einem ehemaligen Landratsvorsitzenden zu lesen....Hut ab!
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Lache nie über jemanden der Schritte rückwärts geht,er könnte Anlauf nehmen!
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